Karnevalslexikon - alles über den Kölner Karneval
Kölle Alaaf!Unser Karnevalslexikon mit Erläuterungen zu den wichtigsten Begriffen aus dem Kölner Karneval liefert einen guten Überblick über Worte, Formulierungen und Ausdrücke, die eng mit dem Kölner Karneval oder rheinischem Karneval verbunden sind.
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Filter
A
- Alaaf
- Von all-aff (kölsch) bzw. all ab, dies bedeutet alle Konzentration auf Köln, Alaaf ist der Narrenruf zur Begrüßung und dient zur Kommunikation mit dem Publikum bei den Sitzungen. Der Begriff „Allaf“ ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt, der Trinkspruch auf einem Krug „Allaf fur einen goden druinck“ heißt so viel wie „Nichts geht über einen guten Trunk“.
- Altstädter Köln 1922 e.V.
- Persiflieren Kurköln (rot und grün), eröffnen den Straßenkarneval an Weiberfastnacht
- Appelsinefunke
- Kölner KG Nippeser Bürgerwehr 1903 e.V., Kosename wegen ihrer orange-weißen Uniformen, eröffnen Weiberfastnacht den Karneval auf dem Wilhelmsplatz in Nippes bereits um 9:11 Uhr
B
- Bagagewagen
- Die Bagewagen sorgen für Nachschub an Kamelle, Strüßje und sonstiges Wurfmaterial, leere Kartons haben hier auch Platz.
- Bauer
- (s. auch „Boor“) Symbolische Figur aus dem Ständesystem, steht für die Wehrhaftigkeit und Reichstreue der Stadt. „Halt fass do kölsche Boor. Bliev beim Rich et fall sös ov sor.“ („Bleib beim Reich, du kölscher Bauer. Mag es kommen süß oder sauer.“). Köln war im MA Mitglied in der Reichsbauernschaft. Seine Pfauenfedern stehen für die Wehrhaftigkeit und Unsterblichkeit der Stadt. Seine Insignien sind die Stadtschlüssel. „Pass god op uns Stadt op“
- Bellejeck
- mittelalterlicher Narr mit Glöckchenkostüm, mit Till Eulenspiegel verwandt
- Bibi
- Antike schwarze Melone, wurde früher gern im Karneval getragen
- Blaue Funken
- Kölner Funken Artillerie blau-weiß von 1870 e.V., Traditionskorps, berittene Artillerie, gehen als erste Gruppe im Rosenmontagszug („han de Spetz“, hinter Einleitung und Funkentöter), 1870 aus Spaltung der Roten Funken hervorgegangen
- Boor ov Buur
- Der Kölsche Bauer ist seit 1871 fest im Dreigestirn. Die Figur geht zurück auf den mittelalterlichen Bauernstand. Er verkörpert mit Schild und Dreschflegel die Reichsverbundenheit und Wehrhaftigkeit der Stadt. Seine Insignien sind die Stadtschlüssel
- Bütt
- Rednerpult in Form eines Fasses oder Waschbütte. Im Schutz der Bütte durfte die Obrigkeit ironisch humorvoll kritisiert werden, hier kann schmutzige Wäsche gewaschen werden.
- Büttenrede
- Humorvolle Rede auf Kölsch, ursprünglich in Reimform
- Bützje
- Flüchtiges Küsschen auf die Wangen mit spitzen Lippen
C
- Carne vale bzw. carne levare
- Fleisch, lebe wohl, Start der österlichen Fastenzeit (Aschermittwoch)
- Carneval ov Karneval
- Begriff seit Ende des 18. Jahrhunderts für Karneval abgeleitet aus dem Lateinischen Carne vale bzw. carne levare
- Colombina Colonia e.V.
- 1. Kölner Damen-Karnevalsgesellschaft gegründet 1999 und Mitglied im Festkomitee. Die Damen KG nimmt Bezug auf die Commedia Dell`arte (italienisches Wandertheater), die Columbina (kleine Taube) ist eine lebenslustige und selbstsichere Figur, die kein Blatt vor den Mund nimmt :-) Die Columbinen heute in Köln unterstützen zahlreiche Hilfsprojekte.
D
- Divertissementche
- Opernparodie auf Kölsch, theatralisch vom Kölner Männer Gesangverein Cäcilia Wolkenburg interpretiert und dargeboten. Im Volksmund „et Zillche“
- Dreigestirn
- Siehe Trifolium oder unter Prinz, Bauer und Jungfrau.
E
- Ehrenamt im Karneval
- Ehrenamtliches Engagement steht bei den Vereinen im Vordergrund. Dazu gibt es viele ehrenamtliche Helfer wie Wagenengel, Zugbegleiter, Kamellejunge etc.
- EhrenGarde der Stadt Köln 1902 e.V.
- Begleiten Bauer und Jungfrau, wegen ihrer grün-gelben Uniform werden sie „Spinat met Ei“ genannt. Ihr Schlachtruf lautet „Rubbedidupp!“. Das bedeutet im Nu und ist ein alter Reitergruß.
- Elf
- Jecke Zahl als Narrensymbol, heidnische Zahl vorbei an den zehn Geboten und den zwölf Aposteln. Start der Karnevalsaison am 11. im 11. um 11:11 Uhr und Elferrat
- Elferrat
- Gruppe, meist aus elf Personen (ursprünglich neun, intern können es auch mehr als elf Personen sein), die in Karnevalsgesellschaften organisatorische Aufgaben übernehmen und bei Sitzungen links und rechts vom Präsidenten sitzen. Oft sitzen die Vorstandsmitglieder eines Karnevalsvereins im Elferrat, verdiente Vereinsmitglieder oder prominente Bürger können auch im Elferrat sitzen.
- Elfte im Elften
- Karnevalsbeginn, seit 1967, ursprünglich Möglichkeit für die Karnevalsbands, ihre neuen Lieder vor Publikum zu präsentieren, daher war die Hauptbühne bis 2021 ohne Eintritt. Eröffnung durch die Willi Ostermann Gesellschaft. Ursprünglich am Ostermannbrunnen, Zwischenstation an der Rathaustreppe, ab 1987 auf dem Alter Markt und seit 2004 auf dem Heumarkt. Der 11. November geht zurück auf den Martinstag, Pacht wird fällig und letzter Tag vor der Adventsfastenzeit (bis 1917 römisch-katholischen Kirche).
F
- Fastelovend
- Ursprünglich Fastenabend vor Aschermittwoch also Karnevalsdienstag, Vastaavend ist seit dem Mittelalter im Rheinland bekannt. s. auch Fasteleer.
- Fasteleer entspricht Kurzform von Fasteleerum
- Erst seit dem 19. Jahrhundert bekannt, Fasteleer ist der Zyklus von Weiberfastnacht bis Karnevalsdienstag.
- Festkomitee früher Festordnendes Comité
- Interessenvertretung von über 100 Karnevalsgesellschaften, ursprüngliches Ziel: Kultivierung des Karnevals, dieser war bis Anfang des 19. Jahrhundert aus den Fugen geraten. Heute Vertretung der ca. 120 Mitgliedergellschaften mit Pflege von Brauchtum und Tradition. Das Festkomitee über nimmt soziale Verantwortung und fördert auch Kinder und Jugendliche.
- Flüstersitzung
- Veranstaltung der Großen Kölner KG mit leisen und nostalgischen Tönen
- Foyer - Garderobe
- Bei Sitzungen mit „Weinzwang“ gibt es hier Kölsch zu trinken.
- Funk
- Historisch trugen die Kölner Stadtsoldaten einen roten Waffenrock, der im Dunkeln wie ein Feuerfunke leuchtete. Ein Funk ist ein uniformierter Akteur im Karneval, der das preußische Militär persifliert. Beim Traditionskorps gilt die Maxime: Einmal Funk immer Funk.
- Funkenmariechen auch Tanzmariechen
- Junges sportliches Mädchen mit Dreispitz, Uniformjacke, kurzem Rock und Spitzenhöschen zeigt akrobatische Tanzeinlagen. Historisches Vorbild waren die Marketenderinnen, die im 17. und 18. Jahrhundert Soldaten begleiteten und dabei Kochen und andere Dienstleistungen anboten. Bis ca. 1930 wurde die Tänzerrolle nur von Männern besetzt. Heute gehört ein männlicher, ebenfalls sportlicher, Tanzoffizier zum Mariechen.
- Funkenbiwak
- Karnevalsveranstaltung der Roten Funken am Karnevalsamstag auf dem Neumarkt mit Erbsensuppe und Kölsch und Karnevalsprogramm. Die Freiluftsitzung kostet nur geringen Eintritt, damit jeder sich Karneval leisten kann. Das Kölschglas kann mehrfach wieder gefüllt werden.
- Funkentöter von 1932 e.V.
- Karnevalsverein von aktiven oder ehemaligen Feuerwehrleuten. Im Rosenmontagszug sind sie ganz vorne.
- Frauen
- Früher war Karneval eine reine Männerdomaine, bis 1979 waren Frauen im Rosenmontagszug verboten mit Ausnahme von Magda Schneider und Grete Fluss. Heute gibt es vier reine Damengesellschaften (Columbina Colonia, 1. Kölner Damen KG, Schmuckstückchen, Kölsche Madämcher). Die roten Funken haben als erste Frau die OB Frau H. Reker aufgenommen und nach Satzungsänderung gehören künftig auch alle Ex-Funkenmariechen zur Männergesellschaft.
G
- Geisterzug
- Alternativer Karnevalsumzug seit 1991, samstags als politische Demonstration, wechselnde Zugwege. Bereits im 19. Jahrhundert gab es Geisterzüge (Austreibung der Wintergeister) mit viel Lärm. [Aktuelle Infos](https://www.geisterzug.de/). In der Eifel (Blankenheim) gibt es seit 400 Jahren die Tradition des Geisterzugs.
- Gürzenich
- Tanz- und Feierhaus, benannt nach der Patrizierfamilie, ursprünglich 1441 in einer Sandgrube errichtet. Neben dem Gürzenich gibt es weitere große Festsäle e.g. Satory, im Maritim, Wolkenburg, Stadthalle Mühlheim etc. Der sog. „Kleiner Gürzenich“ war die Kassenhalle der Kreissparkasse am Neumarkt, die Anfang der 1950-er Jahre die im Krieg zerstörten Veranstaltungsstätten z.B. Gürzenich ersetzten.
H
- Hellige Knäächte un Mägde
- Älteste Traditionstanzgruppe waren im 1. Rosenmontagszug dabei. Ursprung geht zurück auf die spätmittelalterlichen Bauernbänke mit Reigentanz, sie trugen bei Prozessionen die Heiligenfiguren. Historische Trachten in „rot, weiß und schwarz“.
- Hofburg
- Das Dorint Hotel am Heumarkt ist die Hofburg. Auf der 7. Etage gibt es zehn Zimmer, davon drei Suiten für das Dreigestirn (Trifolium), Prinzenführer, Chef de Equipe und Adjutanten, Anfang Januar ziehen sie ein. Es wird standesgemäß geflaggt: Ehrengarde, Prinzengarde und Festkomitee. Die Hotelkette wirbt mit „kölschen Büdchen“ bundesweit für den Kölner Karneval. Fast 50 Jahre lang war vorher ein Hotel an der Helenenstraße die Hofburg.
J
- Jan und Griet
- Das Reiterkorps „Jan von Werth“ veranstaltet am Karnevalsdonnerstag (14.11 h), „Spill an dr Vringspooz“. Das ist die Legende von Jan und Griet, die Liebesgeschichte ohne Happy End von einem Knecht und einer Magd spielt im 17. Jahrhundert. Jedes Jahr mit einem neuen Paar und leicht abgewandeltem Drehbuch.
- Jeck oder Karnevalsjeck
- ein Narr im Rheinland hat eine positive Einstellung zum Humor, er lässt auch mal eine Fünf gerade sein. Im Karneval ist fast jeder ein Jeck und damit positiv verrückt. Ein „halve Jeck“ ist eher ein Schimpfwort, kann aber auch humorvoll gemeint sein.
- Jeckespill
- Karnevalssitzung in diversen Kneipen „Weetschaffssitzung“, Schwerpunkt: „Krätzcher, Kölsch un Kalverei“ (Tollerei)
- Jungfrau
- Verkörpert die freie Reichsstadt und soll an die Mutter Colonia (Agrippina) erinnern. Die Zinnenkrone auf dem Kopf steht für die niemals eingenommene Stadtmauer Kölns. Die Rolle der Jungfrau wird traditionell von einem Mann gespielt, da es früher nur reine Herrengesellschaften im Karneval gab. Ihre Insignie ist ein Spiegel für die Schönheit.
K
- Kajuja
- Der KAJUJA Köln Trägerverein e.V. kümmert sich um karnevalistischen Bühnennachwuchs. Es gibt Ausbildungsprogramme und viele bekannte Karnevalisten hatten hier ihren ersten Auftritt.
- Kalte Ente
- Eine Glasschale mit einer spiralförmig abgeschnittenen Zitronenschale wird langsam mit 3 Flaschen kaltem Moselwein übergossen. Nach ca. 30 Minuten wird vor dem Servieren mit einer Flasche eiskalter Sekt aufgefüllt. Prösterchen! Feiglinge schütten Sprudelwasser nach. Im Karneval ist die Kalte Ente überteuert, aber dafür mit Garantie, oft Kopfschmerzgarantie.
- Kamelle
- Ursprünglich Karamellbonbons (gebrannter Zucker) und italienisches Hochzeitsgeschenk (confetto), heute Süßigkeiten als Wurfmaterial beim Karnevalsumzug. 1823 wurden Erbsen und Gipsdragees geworfen. Die Idee: Der Prinz beschenkt seine Untertanen. [Faire Kamelle](https://futurzwei.org/article/jecke-fairsuchung)
- Kamellebüggel
- Beutel für Wurfmaterial
- Kamellejunge und Kamellemädchen
- Zwischen Bagagewagen und Fußgängergruppen laufen die Kamellejunge und Kamellemädchen, sie versorgen die Karnevalisten gegen Bon mit Nachschub, dafür gibt es ein Trinkgeld von ca. 50 € und Lauftraining inklusive. Von den großen Prunkwagen werden oft über eine Tonne Kammelle geworfen, Kamellejunge stemmen sie den Wagen hoch, das Geld fürs Fitnessstudio wird dabei gespart.
- Karneval
- Begriff ist erst seit dem 17. Jahrhundert bekannt, Fleisch ade italienisch „carne vale“ könnte die Herkunft sein. Fastnacht bzw. kölsch Fastelovend sind die älteren Begriffe
- Kaschöttche
- ursprünglich Arrestzelle, heute Nottoilette im Rosenmontagszug
- Kinderdreigestirn
- Das Kinderdreigestirn bringt den Karneval in die Schulen, sie besuchen auch Krankenhäuser, Seniorenheime und die Feuerwehr. Die Jungfrau wird von einem Mädchen gespielt. Im Rosenmontagszug haben sie einen eigenen Wagen.
- Knabüs
- wörtlich Knallbüchse, ein Holzgewehr der roten Funken mit Blumen am Ende des Laufs. Die Blumen signalisieren friedliche Absichten. Historisch haben die Kölner Stadtsoldaten; d.h. die Funken, angeblich nie wirklich geschossen. Früher war die Knabüs auch aus Holunderholz selbst gefertigtes Jungenspielzeug.
- Knubbel
- Untergruppen bei den roten Funken: 1. Streckstrump, 2. Öllig, 3. Dopp, 4. Stoppe
- K(C)ölner Mummenschanz
- Gedicht von Goethe (1825): 3. Strophe: „Löblich wird ein tolles Streben, Wenn es kurz ist und mit Sinn; Heiterkeit zum Erdenleben sei dem flüchtigen Rausch Gewinn“ steht am Fastnachtsbrunnen (Gülichplatz). Eingeladen zum Karneval schickte Goethe nur ein Gedicht.
- Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e.V.
- Persiflieren die alten Kölner Stadtsoldaten mit rotem Waffenrock und weißen Hosen. Im Volksmund heißen sie „Rote Funken“, s. auch Funk, Blaue Funken, Prinzengarde.
- Kölsche Kippa Köpp e.V. vun 2017
- Jüdischer Karnevalsverein in Köln knüpft an einen ehemaligen jüdischen Karnevalsverein von 1922 „Kleiner Kölner Klub“ (KKK) an. Der KKK fand mit dem Beginn der Naziterrorherrschaft ein Ende. Schon ab 1823 gehörten einzelne Juden zum Kölner Karneval und waren auch in Ämtern aktiv. Heute sind auch jüdische Mitbürger zusätzlich in anderen Kölner Karnevalsgesellschaften aktiv.
- Konfetti
- In Venedig wurde „confetto“ also Konfekt im Karneval geworfen. Ein deutscher Buchbinder hat aus bunten Papierbögen runde Stücke ausgestanzt, damit war unser heutiges Konfetti Ende des 19. Jahrhunderts geboren.
- Krätzche ov Krätzje
- a) lustige Erzählung, lustiges Lied; b) Karnevalsmütze, Karnevalsschiffgen
- Kritzelköpp
- Team von Kreativen (KünstlerInnen, GrafikerInnen ) entwickeln Ideen für die Persiflagewagen
L
- Laberdan
- Kopfschmuck (Helm Perücke) der roten Funken, wörtlich: gesalzener Kabeljau
- Lachende Kölnarena (früher: Lachende Sporthalle 1965-1998)
- Größte Karnevalssitzung der Welt, je ca. 10.000 Besucher, Programm ist sehr gut. Kölsch in Pittermännche und Eierlikör sind preiswert, Essen und Trinken können auch selbst mitgebracht werden. [Tickets und Informationen](https://www.lanxess-arena.de).
- Literat
- Bei Karnevalssitzungen organisiert er die Büttenredner, Musiker und Tanzgruppen. Der Literat plant die Reihenfolge, in der die Künstler bei der Sitzung auftreten.
- Literarisches Komitee
- Rednerschule (Akademie seit 1824) vom Festkomitee für NachwuchskünstlerInnen
- Loss mer singe
- Einsingen in den Karneval in verschiedenen Kneipen. Dabei wird über den Hit des Abends abgestimmt. Insgesamt gibt es über 30 Kneipen und am Ende steht der Hit der Session. LMS ist ein eingetragener Verein. [Termine](https://www.lossmersinge.de/)
M
- Maach dat do fott küss ov Maht dat ehr fottkutt
- Verabschiedung von Künstlern in der Sitzung, „Scher(t) dich/euch weg“ ist hier eine höfliche Aufforderung.
- Möhne
- ältere verkleidete Frau im Karneval, ursprünglich ältere verheiratete Frau mit Kopfbedeckung
- Motto
- Jedes Jahr steht der Karneval unter einem besonderen Motto. Im Jubiläumsjahr 2023 lautete das „Sessionsmotto“: „Ov krüz oder quer“. Das Karnevalsmotto wurde früher beim Prinzenfrühstück am Karnevalsdienstag bekannt gegeben, heute wird es am Ende des Rosenmontagszug veröffentlicht.
- Moritat
- Geschichte mit moralischem Appell, oft mit einfacher Melodie auf der Drehorgel (Leierkasten) begleitet oder als Gedicht vorgetragene Schauerballade. Ursprünglich Erzähllied des Bänkelsängers. Heute gibt es vereinzelt und im Karneval wieder Moritatensänger. Die berühmte Moritat vun Jan un Griet ist auf dem Album „Aff un zo“ von BAP als Rock Lied zu hören.
- Muuze ov Muuzemandel
- Mürbeteig in Mandelform in Fett gebacken, Karnevalsgebäck im Rheinland
N
- Nachhaltigkeit im Karneval
- Ob E-Kutsche, E-Autos, Mehrwegbecher, Baumwollkostüme, Faire Kamelle oder abbaubare Blumenfolie. Die Ökobilanz im Karneval ist noch nicht perfekt, aber die Vereine arbeiten dran und jeder Jeck kann selbst dazu beitragen, möglichst wenig Plastikmüll zu erzeugen oder zu verteilen.
- Nickabend
- Das Stadtoberhaupt (die OB oder der OB) hat das letzte Wort und nickt das designierte Dreigestirn im Vorfeld ab. Das Treffen ist mehr oder weniger geheim, die Öffentlichkeit darf noch nichts erfahren.
- Nubbel
- Strohpuppe, die als Sündenbock zum Karnevalsende theatralisch zu Grabe getragen und verbrannt wird, erwähnt seit 1950. Der Ursprung d.h. die Kirmes auf dem Land kennt die Tradition länger.
O
- Obdachlosensitzung und Karnevalssitzung för ärm Lück
- Die „Große Braunsfelder“ unterstützen die Obdachlosensitzung mit Transport, Unterhaltung und Menü, auch das „Kölner Husaren Korps“ unterstützt Menschen die nicht auf der Sonnenseite Leben mit der „Sitzung för ärm Lück“ mit Essen und Unterhaltung. Auch andere Gesellschaften zeigen Herz, Karneval hat immer soziale Seiten, auch außerhalb des Sitzungsformat.
- Orden
- Auszeichnung für die Karnevalskünstler, Sponsoren und Gäste. Ursprünglich machte man sich lustig über die vielen militärischen Orden. Die Orden werden jährlich künstlerisch gestaltet und sind eine individuelle Erinnerung an die jeweilige Karnevalssession
- Ornat
- Maßgeschneiderte Kostüme für Prinz, Bauer und Jungfrau. Der Prinz hat Fasanenfedern, der Bauer Pfauenfedern und die Jungfrau eine Zinnenkrone als Kopfbedeckung. Die teuren Ornate sind aufwendig und traditionell in rot-weiß gehalten. Das Dreigestirn zahlt selbst dafür und behält die Kleidungsstücke.
P
- Pferde im Zug
- 270 Pferde sind 2023 im Zug (früher über 400), Vorgaben an die Reiterinnen und Reiter: Reitstunden, Gewicht, Handyverbot, zeitliche Begrenzung auf max. 4 Stunden, Dopingkontrollen und Abstand zu Musikgruppen erhöhen den Schutz für Mensch und Tier.
- Plaggeköpp
- Fahnen- und Standartenträger gehen oft voran (daher Köpp), e.g. bei der Proklamation. Kölsch: Plagge = Lappen, steht hier verballhornt für die Fahne
- Prinz
- Der Prinz verkörpert einen gut gelaunten Herrscher. Insignie: Pritsche. Dazu trägt er rote Schuhe mit weißen Schlaufen. Das Prinzenornat gleicht einem reichsstädtischen Fürsten angelegt an die burgundische Mode des auslaufenden Mittelalters. Ursprünglich „Held Carneval“, bis die königliche Familie (F.W. III.) mit „Held“ nicht einverstanden war, ab 1872 wurde daraus der Prinz Carneval, der ab 1883 von Bauer und Jungfrau flankiert wird.
- Prinzengarde
- Begleiten den Prinzen im Zug und bei seinen Auftritten, wegen ihrer weißen Uniform werden sie liebevoll „Mählsäck“ genannt, auch aus Spaltung der Roten Funken hervorgegangen
- Prinzenpritsche
- Pritsche oder Klatsche ist ein altes hölzernes Schlaginstrument des Zeremonienmeisters (vergl. Kasperle) um scherzhaft zur Ordnung zu rufen. Die Pritsche klappert mit Lamellen. Im Kölner Karneval ist die Pritsche heute aus Silber mit eingravierten Namen des Prinzen, verballhornt steht sie für das Zepter (Herrscherstab).
- Prinzenproklamation
- Das Dreigestirn wird offiziell ins Amt gehoben, dabei überreicht der Oberbürgermeister/in die Insignien: Prinzenpritsche, Schlüssel für den Bauer und Spiegel für die Jungfrau. Diese Sitzung zur Machtübernahme des Karnevals ist im Januar im Gürzenich, früher mit Abendgarderobe, auch heute gibt es noch viel Prominenz.
- Prinzenspange
- Ehrenorden, der direkt vom Dreigestirn für besondere Verdienste verliehen wird. Jedes Dreigestirn hat eine eigene „Ehrennadel“.
- Puute-Kaschöttche
- abgesicherte Bereiche für Kinder mit Beeinträchtigungen oder aus sozialen Einrichtungen entlang des Zugwegs mit Toilette und ohne Gedränge
R
- Rosenmontag und Rosenmontagszug
- Rosenmontag ist der Höhepunkt des Straßenkarnevals, der Kölner Rosenmontagszug geht, er ist der größte und älteste Karnevalsumzug in Deutschland (seit 1823, damals noch bis 1832 „Maskenzug“ genannt). Er besteht aus großen Punk- und Persiflagewagen, Fußgruppen, Reiterkorps und Musikkapellen. Gegen Ende kommen Bauer und Jungfrau mit der Ehrengarde und zum Schluss der Prinz auf dem Prinzenwagen. Rosenmontag leitet sich vom Rosensonntag Lätare ab, mit einer goldenen Rose erinnert der Papst an die Passion Christi. Vergleiche Kölsch „Rus“ (Rose) und nicht „rose“ (rasen), d.h. es leitet sich von Rose ab und nicht von rasen! Die Begriffe Tulpensonntag, Nelkensamstag oder Veilchendienstag sind ebenfalls karnevalistische Ableitungen vom Rosensonntag.
- Rote Funken
- (siehe „Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e.V.“)
S
- Schunkeln
- Brauch im Karneval, dabei schaukelt man nebeneinander eingehakt rhythmisch zur Musik seitwärts hin und her. Das geht im Stehen wie im Sitzen.
- Session
- Karnevalszeit vom 11. 11. bis Aschermittwoch mit Weihnachtspause vom 1. Advent bis zum 6. Januar, heute meist bis 2. Januar.
- Sicherheit
- Neben Polizei, Feuerwehr, Sanitätsdienste und Ordnungsdienst der Stadt sind auch private Sicherheitsdienste im Einsatz. An den Kneipen gibt es Türsteher und die Züge werden zusätzlich mit Zufahrtssperren gesichert.
- Spinat mit Ei
- Ehrengarde der Stadt Köln, Kosename wegen der grün-gelben Uniformen, Die Ehrengarde begleitet Bauer und Jungfrau, „Dem Bauer zur Wehr, der Jungfrau zur Ehr“
- Stippeföttche
- Funkentanz, paarweise Rücken an Rücken mit vorgehaltenem Gewehr (Knabüs) wird rhythmisch das Gesäß bewegt, das wird auch „wibbele“ genannt. Persiflage auf das Militär.
- Strüßje
- Mini Blumensträuße, ursprünglich um die preußische Regierung und das Publikum zu besänftigen. Kurzlebige, cellophanierte Importware ist Umweltverschmutzung.
- Stunksitzung
- Alternative Karnevalssitzung mit aktuellen politischen Spitzen, ist heute fester Bestandteil des Sitzungskarnevals
T
- Tanzmariechen (siehe Funkenmariechen)
- Name außerhalb der Funken
- Tollität
- Verballhornung von Majestäten, man spielt Herrschaft.
- Traditionskorps
- Ehrentitel vom Festkomitee, es gibt neun Traditionskorps: Rote Funken, Blaue Funken, Ehrengarde, Nippeser Bürgerwehr, Bürgergarde, Treuer Husar Blau-Gelb, Prinzengarde, Altstädter, und Reiterkorps Jan von Werth (Namen vereinfacht).
- Trifolium
- wörtlich Dreiblatt (Klee), anderer Name für das Dreigestirn aus Prinz, Bauer und Jungfrau. Das Dreigestirn zahlt viel Geld für den Spaß, jedoch wer im Karneval Renommee gewinnt, kann später bessere Geschäfte machen.
- Tusch
- musikalisches Stilinstrument (Blechbläser) bei Sitzungen, markiert die Pointe eines Witzes oder zeigt den Zeitpunkt fürs Applaudieren an oder lenkt die Aufmerksamkeit auf die Bühne. Heute wird beim Tusch häufig auch ein bekannter Refrain gespielt, hier singen dann die Zuschauer mit.
V
- Vier Botze
- Straßenmusiker aus Köln, die als kölsche Musikgruppe überregional bekannt wurden: Hans Süper (Senior), Richard Engel, Philipp Herrig und Jakob Ernst, auch Colonia Quartett genannt. Bekannteste Interpretation „En d`r Kayjass nummero null“ (ursprünglich „Drei Laachduve“). Zusammenarbeit mit Willy Schneider, Karl Berbuer und Toni Steingass. Hans Süper (junior) Colonia Duett, Thommy Engel (ehemals Bläck Föös) und Kai Engel (Brings) sind Kinder bzw. Enkel der Vier Botze.
W
- Wandel und Ausnahmen
- Karneval unterliegt immer einem gesellschaftlichen oder politischen Wandel. Ursprünglich zogen Pferde im Zug die großen Wagen, heute Traktoren und eine E-Kutsche. Mehrer Elefanten dienten als Reitpferde, einmal ein Kamel, auch Löwen im Käfig fuhren mit - heute undenkbar. Frauen erobern ebenfalls die ursprüngliche reine Männerdomäne. Zugausfälle durch Kriege, Sturm oder Regen gab es auch. Der 2. Golfkrieg und der Ukraine-Überfall sorgten für Demonstrationszüge und während der Pandemie startete der 70 m lange Stockpuppenzug vom Hänneschen Theater.
- Weiberfastnacht
- Eröffnung des Straßenkarnevals durch die Altstädter. Dabei übernehmen die Frauen symbolisch die Macht. Ursprünge liegen bei den Nonnen, die sich ihrer Ordenshauben entledigten. Die Marktweibern, die sich mit Kohlköpfen bewarfen und sich dabei die Haube vom Kopf rissen (Mötzenbestot). Weiber ist ein historischer Begriff für Frauen (auch in der Kirche) und wurde nicht als Beleidigung aufgefasst. Die Beueler Wäscherinnen haben bereits im Jahre 1824 Weiberfastnacht auf die Sprünge geholfen.
- Wibbele
- Rhythmische Gesäßbewegungen, s. auch „Stippeföttche“
- Williamsbau
- Veranstaltungshalle in der Nachkriegszeit, vom Circus Williams (ursprünglich Winterquartier) errichtet, 1956 abgerissen. Legendäre Überreichung eines jungen Geißbocks von Carola Williams an Hennes Weisweiler und Franz Kremer auf einer Karnevalssitzung 1950. Nach der anschließenden Taufe hieß er „Hennes“ und wurde zum Maskottchen des 1. FC Köln.
- Willi Ostermann Gesellschaft Köln 1967 e.V.
- Belebten die Sessionseröffnung am 11. November im Jahr 1969 wieder, damals noch am Ostermannplatz. Eröffnen heute traditionell den Karneval, die fünfte Jahreszeit, am 11.11.. Die Ostermanngesellschaft kümmert sich auch um die Grabstätte der Familie auf dem Melatenfriedhof.
- Wolkenburg
- Event-Location, nach dem Krieg Wiederaufbau und Vereinshaus des Kölner-Männer-Gesang-Vereins (KMGV) (siehe: Divertissementchen). Ursprünglich: Kloster, Hospital und Musikschule
- Woosch
- als Ersatzorden gibt es eine Flönz im Hänneschen Theater: „Herr Präsident, de Woosch“. Die „Woosch“ wird dann wieder abgenommen, da es nur eine gibt, und diese auch für den nächsten Künstler gebraucht wird.
- Wurfmaterial
- ursprünglich Erbsen, Kamelle, Süßigkeiten, Blumen, Spielsachen. Früher wurden viele Apfelsinen geworfen, heute wird mehr auf Sicherheit geachtet, ebenfalls sollen keine einfachen Bonbons mehr liegenbleiben
Z
- Zabel
- Säbel, meist Holzsäbel, Griff und Spitze sind aus Messing, die Spitze ist entsprechend dem deutschen Waffengesetz entgratet.
- Zillche
- Nette Abkürzung für Cäcilia Wolkenburg den Kölner Männer Gesangverein (KMGV). siehe Divertissementchen
- Zog ov Zoch (kurz gesprochen und geschlossenes o)
- a) Karnevalszüge, donnerstags durchs Severinsviertel, freitags Sternmarsch der Schull- und Veedelszog zum Alter Markt, Samstag Geisterzug und diverse Veedel, Sonntags Schull- und Veedelszog und Köln-Brück, Rosenmontag: Dä Zoch kütt, Dienstags diverse Veedel e.g. Kalk und Ehrenfeld<br>b) Die DB Regio hat mehrere Karnevalszüge, d.h. bunt angesprühte Eisenbahnzüge damit „der Zoch pünktlich nohm Zoch kütt“.
- Zugleiter
- Ehrenamtlicher Organisator des Rosenmontagszuges, der Zugleiter organisiert den Zug weit im Voraus und bei der Aufstellung, zusätzlich sorgt der Zugleiter per Zugleiterhandy für einen reibungslosen Ablauf des Zugs mit wenig stocken und pünktlichem Ende. Der Zugleiter weckt auch Weiberfstnacht das Dreigestirn und fährt ganz vorne im Zug.
