Wir können Köln – Kölle künne mer!

Karneval in Köln - Alles über den Kölner Karneval

Alljährlich am 11. November setzt in Köln die übliche Zeitrechnung aus und die fünfte Jahreszeit bricht an: Mit der Sessionseröffnung um 11:11 Uhr beginnt der Karneval und gängige Regeln und Konventionen werden – mit einer Unterbrechung in der Weihnachtszeit – bis zum Aschermittwoch außer Kraft gesetzt.

Köln schunkelt und feiert in der fünften Jahreszeit

Karneval ist das Fest der Sehnsüchte: In der Phantasie ist alles möglich. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist die Eröffnung des Straßenkarnevals an Weiberfastnacht und der Rosenmontagszug, der jährlich hunderttausende Besucher aus der ganzen Welt in die Domstadt lockt. Fantasievoll verkleidete Narren bestimmen das Stadtbild und ganz Köln schunkelt und singt in feuchtfröhlicher Feierstimmung, die traditionell am Aschermittwoch endet. Zur Weihnachtszeit gibt es eine kurze Unterbrechung des Sitzungskarnevals, denn auch die Jecken genießen die besinnliche Adventszeit.

Das Karnevalsmotto

Jedes Jahr steht der Kölner Karneval unter einem besonderen Motto. Das aktuelle Sessionsmotto 2027 lautet: „Morje es, wat do drus mähs!“ Hier geht es um unsere Zukunft.

Im Jubiläumsjahr 2023 lautete es: „Ov krüzz oder quer“. „Ov krüz oder quer, ov Knäch oder Hähr, mer looße nit un looße nit vum Fasteleer“ (aus Refrain Volkslied: „E Johr eß vergange“ von Emil Jülich 1905). „Uns Sproch es Heimat“ lautete das Motto 2019. Die kölsche Sprache gehört einfach zum Karneval. Auch wenn im Alltag immer weniger Kölsch gesprochen wird, beim Singen ist Kölsch sehr präsent.

Das vergangene Motto „Mer stelle alles op der Kopp“ war eine Einladung, sich selbst zu hinterfragen oder etwas Neues anzufangen. Es wäre auch eine Möglichkeit ein weibliches Dreigestirn zu stellen gewesen. Mit „Wenn mer uns Pänz sinn, sin mer vun de Söck!“ standen natürlich die Kinder im Mittelpunkt. 1823 lautete das Motto: Thronbesteigung des Helden Carneval.

Bitte beachten Sie auch unser Karnevalslexikon.

Die Wurzeln des Karnevals

Entstanden ist der Karneval im Mittelalter, im 14. Jahrhundert, als sich das Christentum im Rheinland zur Hauptreligion mit vielen strengen Regeln entwickelt hatte. Aber ein ganzes Leben voller Vernunft und Gehorsam ist anstrengend. Deshalb braucht man eine Auszeit, und mit der „Sessionseröffnung“ werden übliche Konventionen außer Kraft gesetzt. In Köln spielt man dann verrückt und wird „jeck“. Der Karneval hat auch anarchische Wurzeln, der Bürger darf als Narr die Obrigkeit kritisieren.

Wann beginnt Karneval?

Der Beginn des Karnevals hängt mit dem Osterfest zusammen: Genau 40 Tage vor Ostern endet mit dem Aschermittwoch die Karnevalssession. Da Ostern nach dem ersten Vollmond im Frühjahr gefeiert wird, hat der Karneval kein fixes Datum. Der Aschermittwoch läutet dann die 40tägige Fastenzeit ein, dabei werden Sonn- und Feiertage ausgenommen.

In Köln wurde die Fastnacht zum ersten Mal 1341 n. Chr. schriftlich erwähnt. Am 11. im 11. wird schon mal geprobt, vor allem die Musiker, der „Sessionsstart“ im November wird erst seit 1967 gefeiert. Ursprünglich geht der 11. November auf den Martinstag (Lehnsabgabe und letzter Tag vor der früheren zweiten Fastenzeit) zurück.

Straßenkarneval Köln oder „Sechstagerennen einmal anders“

Ein Höhepunkt der Feierlichkeiten ist die Eröffnung des Kölner Straßenkarnevals an Weiberfastnacht um 11:11 Uhr (Beginn um 9:00 Uhr) auf dem Alten Markt. Freitagabend ist Sternmarsch der Veedelsvereine. Samstag ist Funkenbiwak. Sonntag gehen die Schull- und Veedelszöch.

Hinzu kommt der Rosenmontagszug, der jährlich hunderttausende Besucher aus der ganzen Welt in die Domstadt lockt. Phantasievoll verkleidete Narren bestimmen das Stadtbild und ganz Köln schunkelt und singt in feuchtfröhlicher Feierstimmung. Um Mitternacht am Karnevalsdienstag wird der berühmte „Nubbel“ verbrannt – eine als Mensch verkleidete Strohpuppe. Symbolträchtig muss er dabei stellvertretend für das sündige Leben der Jecken büßen.

Am Aschermittwoch ist dann alles vorbei und das normale Leben hält wieder Einzug in Köln. Traditionell wird am Aschermittwoch in geselliger Runde Fisch mit Butter gegessen und dazu Kölsch getrunken – alles klassische Fastenspeisen.

Kölsche Traditionen im Karneval

Ursprünglich waren die Festkomitees reine Herrengesellschaften. Heute sind es neben den neun Traditionskorps auch viele Familiengesellschaften. Mittlerweile gibt es auch reine Damen- und Schwulengesellschaften. Die Gesellschaften pflegen kölsches Brauchtum und die kölsche Sprache. Elf Personen, die meist zum Vorstand gehören, bilden in einer Karnevalsgesellschaft den Elferrat. Während einer Sitzung unterstützen sie den Präsidenten. Heute stehen die Sitzungsredner lieber frei auf den Bühnen, während früher die „Bütt“, eine Art Rednerkanzel, Tradition war.

Das Dreigestirn

Prinz, Bauer und Jungfrau bilden seit 1883 eine symbolische Einheit als Kölner Dreigestirn. Aus dem früheren König oder „Held Carneval“ wurde 1871 der Prinz Karneval, der im Mittelpunkt des Volksfestes steht. Seine Pritsche steht als Symbol der Herrschaft und ist Gegenstück zum Zepter.

Der Bauer steht metaphorisch für die Mitgliedschaft von Köln in der Reichsbauernschaft im Mittelalter. Bei der Proklamation erhält er symbolisch vom Oberbürgermeister den Stadtschlüssel, mit Schild und Dreschflegel steht er für die Wehrhaftigkeit der Stadt.

Die kölsche Jungfrau verkörpert die freie Stadt Köln, die immer unabhängig war und keiner fremden Macht unterworfen wurde. Ihr Spiegel symbolisiert die Schönheit der Stadt, die Mauerkrone die Unverletzlichkeit. Auch ihre Rolle wird traditionsgemäß von einem Mann übernommen, da ursprünglich die Karnevalsvereine reine Herrengesellschaften waren.

Die neun Traditionskorps sind auch heute noch reine Männervereine. Zum offiziellen Karneval zählen natürlich auch viele Familiengesellschaften. Die Vereinskultur hat neben der Brauchtumspflege und der Jugendförderung auch häufig einen starken sozialen Charakter.

Was ist ein „Bützje“? Ein Küsschen in Ehren

Im Kölner Karneval wird natürlich auch „jebützt“, ob man sich kennt oder nicht. Ein „Bützje“ ist ein freundschaftliches Küsschen mit gespitzten Lippen auf die Wange. Ganz früher war das "Bützje" sittenwidrig.

Ob jung oder alt, in Köln kommt während der Session jede Generation auf verschiedenste Weise auf ihre Kosten.

Alternativer Karneval

In der Stunksitzung richtet ein Ensemble von verschiedenen Künstlern seit 1984 einen kabarettistischen Blick auf das aktuelle Tagesgeschehen, die Stadt Köln, die Kirche und auch auf den offiziellen Karneval.

Wenn Sie den Ausruf „Kölle Aloha“ hören, dann befinden Sie sich auf der Rosa-Sitzung. Die kabarettistische Schwulen- und Lesbensitzung, die durch Hella von Sinnen und Georg Uecker bekannt wurde, findet im Gloria Theater statt. Auch Heteros sind herzlich willkommen.

Neben den großen Sitzungen im Gürzenich, Sartory oder Maritim finden noch viele weitere alternative Veranstaltungen statt, wie z. B. Fatal Banal, Deine Sitzung, die Sitzungen der leisen Töne, Kneipensitzungen, Nostalgiesitzungen, Kindersitzungen etc.

„Dat jitt et nur en Kölle“

Reine Damengesellschaften z. B.: „Colombina Colonia“, „Die Schmuckstückchen“, „De kölsche Madämche“, „Foyer“, „Goldmarie“ sind auf dem Vormarsch. Wir warten auf das erste reine Damendreigestirn!

Auch der 1. FC Köln ist seit 2015 offizielles Mitglied im Festkomitee Kölner Karneval, eine Ausnahmeregelung macht den Fußballclub auch zum Karnevalsverein.

Gemäß dem Motto der Bläck Fööss „Drink doch eine met“ lässt sich während des Kölner Karnevals auch die ein oder andere neue Freundschaft schließen.

Unsere Tipps, damit Sie die Karnevalszeit genießen können

  • seien Sie so früh wie möglich da
  • lassen Sie Ihre Wertsachen zuhause
  • selbst gestaltete Fantasiekostüme sind optimal
  • bedenken Sie bei der Wahl des Kostüms auch, dass draußen zwar noch Winter ist, in den Lokalitäten aber eher tropische Temperaturen herrschen
  • lassen Sie sich von einem erfahrenen Karnevalisten oder Kölner begleiten
  • geben Sie auch mal einen aus

Kölner Karneval in Zahlen

Karneval in Köln bedeutet jährlich fast 1.000 Millionen € Gesamtumsatz (ca. Werte nur Köln und ganze Session): Für Kostüme und Accessoires werden alleine ca. 150 Millionen ausgegeben. Die gastronomischen Betriebe setzen ca. 400 Millionen € um und bewirten ca. 1 Million Besucher, die natürlich auch die Sitzungen und Bälle besuchen.

Auch der öffentliche Nahverkehr, Taxen und Fluggesellschaften sowie Hotelbetriebe profitieren vom Kölner Karneval. Zur Karnevalszeit schnellen sogar die Friseurbesuche hoch. 300 Tonnen Kamelle werden jedes Jahr geworfen, ebenfalls ca. 300.000 „Strüßjer“ (Blümchen).

Die Stadt profitiert von der Gewerbesteuer (Schätzung: ca. 5 Millionen), wobei auch ca. 4 Millionen für Sauberkeit und Sicherheit im Straßenkarneval als Zuschuss wieder verschwinden. Die Ausgaben für Sicherheit sind in den letzten Jahren gestiegen. Beim Rosenmontagszug werden bei gutem Wetter über 1 Million Zuschauer gezählt. (Stand: 2024, Quelle: Statista und IW).

Hinzuzufügen ist noch, dass sich viele Kölner im Karneval ehrenamtlich engagieren und dass der Rosenmontagszug in Köln frei von Werbung ist.

Wie wird man Prinz? Wir kommt man ins Dreigestirn?

Prinz, Bauer und Jungfrau sollten aus einer der ca. 80 ordentlichen Gesellschaften des Festkomitees kommen. Meist kommen sie aus einer Gesellschaft, jedoch ist es nicht obligatorisch. Zunächst gilt es sich bei der eigenen Gesellschaft zu bewerben, der Präsident wird involviert und ein Konzept wird vorgestellt. Beim Festkomitee wird dann eine schriftliche Bewerbung als Team eingereicht.

Es gibt einen konkreten Bewerbungsleitfaden mit Fragen, außerdem Lebenslauf, polizeiliches Führungszeugnis und Fotos. Ein Auswahlgremium (Vorstand, Prinzenführer) empfängt die Bewerber persönlich. Es gibt mehrere Interviews. Es wird geprüft ob Prinz, Bauer oder Jungfrau auch mit Job und Familie zusammen passen. Stressresistenz, Eloquenz, Führungszeugnis und mehrjährige Zugehörigkeit im Ehrenamt müssen stimmen. Vor allem aber muss das Trifolium ein gutes Team sein.

Die Gesundheit des designierten Dreigestirns wird auch noch geprüft. Auch die Finanzen sollten stimmen, schließlich entstehen Kosten im mittleren fünfstelligen Bereich. Insgesamt sind es ca. 100.000 € für alle drei zusammen. Stimmt das Auswahlgremium des Festkomitees zu, kommt es zum geheimen „Nickabend“, d.h. die oder der OB nicken als Stadtoberhaupt ab. Strenge Geheimhaltung und Verschwiegenheit für alle ist bis zur Pressekonferenz im Spätsommer angesagt, erst danach werden die Namen bekannt gegeben.

Am 11. im 11. steht das Trifolium schon mal auf der Bühne, noch ohne Ornat versteht sich. Erst nach der Übergabe der Insignien: Pritsche, Stadtschlüssel und Spiegel bei der Prinzenproklamation im Januar im Gürzenich glänzen sie im vollen Ornat und sind damit offiziell im Amt. Vorher sind noch Tanz- und Redekurse zu besuchen, ebenfalls Atem- und Interviewtraining und wenn nötig Kölschkurse zu absolvieren.

Wir warten auf das erste weibliche Dreigestirn, ordentliche Damengesellschaften gibt es ja schon länger.

Karneval live mit einem echten kölschen Jeck: Karnevalsführung

KÖLNER BÜTTENREDNER

Fritz Schopps (geb. 1946 Köln, gest. 2022 in Köln)

Lehrer, Karnevalist und klassischer Büttenredner. Als „Et Rumpelstilzje“ mit Filzhut wurde er auch überregional für seine bissigen Reimreden bekannt. Ehrentitel 2002: „Magister linguae et humoris Coloniensis“ = Meister der kölschen Sprache und des kölschen Humors.

Gerd Rück (geb. 1938 in Tönisheide)

„Ne Weltenbummler“ berichtete mit bunt aufgespanntem Regenschirm und Clownsgesicht von seinen Reisen in Form einer klassischen Büttenrede. Als Gladbacher Lehrer verhalf er seinen Schülern Frank und Norbert Wielpütz mit ihrer Band „Labesse“ den Einstieg in den Karneval.

Hans Hachenberg (geb. 1925 in Bergisch Gladbach, gest. 2013 Bergisch Gladbach)

Als "„oof Noß“ verkörperte er mit lila Filzhütchen ein Kind aus einer Großfamilie, berichtete über Anekdoten aus dem turbulenten Familienleben. Sein Appell: „Maht üch Freud sulang et jeiht, et levve duurt kein Iwigkeit“. Hans Hachenberg war ein ganz großer Typenredner. Ehrenbürger von Bergisch Gladbach und Platz in Paffrath.

Horst Muys (geb. 1925 in Mülheim a. d. Ruhr, gest. 1970 in Köln)

Der Karnevalist konnte in den 1960er Jahren als Büttenredner unverklemmt über Bordellbesuche reden, das Publikum freute sich damals über die „Ferkeleien“. Oft wurde er angestachelt: „Muys dun jet Peffer dran, der Saal es zu ruhig“ oder „Muys gevv Peffer“! Gut ein Jahr hatte er Saalsperre, seine Reden waren für damalige Verhältnisse unter der Gürtellinie.

Muys war oft pleite, kassierte seine Gage in bar und erkannte dabei seinen Steuerfahnder im Publikum. Sein Grab befindet sich auf Melaten. Er war Bassist im Eilemanntrio, Duo Wildsäue. Ein ihm erteiltes Redeverbot wurde wieder aufgehoben.

Johannes (Hans) Süper jun. (geb. 1936 Köln gest. 2022 in Köln)

Musiker, Komiker, Karnevalist und der größte Kölner Künstler. Hans Süper trat als Colonia Duett, später als Süper Duett jeweils mit Partner und Mandoline (Flitsch) auf. Biografie: „Mein Leben mit der Flitsch“. Langjähriger Wohnsitz in Sülz. Vater Hans Süper sen. („Vier Botze“). Verschiedene Gastauftritte bei Kölner Künstlern. „Häns“ war ein beliebtes Kölsches Original und ein Mensch ohne Starallüren. Denkmal in Sülz geplant. Ruhestätte: Seebestattung.

Karl Küpper (geb. 1905 in Düsseldorf, gest. 1970 in Köln)

„D’r Verdötschte“ positionierte sich als Büttenredner öffentlich gegen die Nationalsozialisten, verballhornte mehrfach den Hitlergruß, was ihm ein Redeverbot einbrachte, einer drohenden Verhaftung konnte er sich entziehen, da er freiwillig in der Wehrmacht als Komödiant im Fronttheater auftrat. Nach dem Krieg wetterte er gegen das bestehende System bzw. gegen die Alt-Nazis. Ein erneutes Redeverbot ist auch hier als Qualitätsmerkmal zu sehen.

Am Ende seiner Rednerkarriere führte er in Kalk die Kneipe „Küppers Karl“. Er war der einzige bekannte Karnevalist, der offen gegen das NS-Regime wetterte, daher ehren ihn in der Altstadt ein Platz und in Kalk eine Plakette. Die Stadt verleiht alle zwei Jahre den Karl Küpper Preis für Zivilcourage und besonderes Engagement.

Karl Schmitz „Grön“ (geb. 1896 in Köln, gest. 2000 in Köln)

Als Typenredner verkörperte er etliche Figuren, sprach Kölsch. Vater war Jean Schmitz, bekannt als Schmitz-Gäl (wg. gelber Hautfarbe), sein Sohn war der „Grön(-schnabel)“

Peter Raddatz

„Dä Mann mit däm Hötche“

Toni Geller (geb. 1924, gest. 2012 in Köln)

Typenredner als Vertreter der „Blauen Partei“ wurde er deutschlandweit bekannt: „Wir versprechen nichts, aber das halten wir auch.“ Für Kölner Verhältnisse war er ein politischer Redner mit aktuellem Programm. Synchron mit dem Tusch schwenkte er stets seine Melone.

14. Januar 2026, Günther Klein Dipl.-Ing. Wirt.