Führung über den Melatenfriedhof – gemütlicher Spaziergang durch die Geschichte

erholsam, interessant und naturnah

In dieser zweistündigen gemütlichen Führung über das Areal des Melatenfriedhofs erleben Sie einen einzigartigen Ort des Erinnerns. Viele Prominente haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Auch ist die wunderschöne Grünanlage ein absolutes Highlight für Naturfreunde.

Infos und Preise

Führung über den Melatenfriedhof – gemütlicher Spaziergang durch die Geschichte
Dauer: 2 Stunden
Start: Piusstraße, Trauerhalle
Ende: Piusstraße, Trauerhalle
Gruppenpreis: bis 12 TN: 170 € inkl. MwSt. Kostenfrei anfragen
Anfrage Gruppen
Öffentliche Führung 14 € p. P. inkl. VRS (12 € p. P. ermäßigt)
Öffentliche Führung
Verfügbare Termine
max. 20 Teilnehmer
barrierefrei, keine Tiere
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Melatenfriedhof - Kölns Stadtgedächnis
Hinter einer unscheinbaren Mauer verborgen erstreckt sich der älteste und größte säkulare Friedhof Kölns. Der Melatenfriedhof ist zugleich das Gedächtnis der Stadt. Nicht nur lokale Größen aus Geschichte, Kultur, Politik und Karneval haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden: Auch kölsche Originale und Prominente sind hier beigesetzt. Dirk Bach, Willy Millowitsch und zahlreiche Kölner Oberbürgermeister liegen hier mitten im Grün begraben. Diese Mischung macht den Reiz auf Melaten aus: Der Friedhof ist nicht nur eine Stätte des Trauerns und Erinnerns ist, sondern auch ein Ort der Erholung und des Lebens. Bitte beachten Sie: Laut Friedhofssatzung dürfen Hunde nicht mitgeführt werden.

Vielfältige Flora und Fauna und 200 Jahre Kölner Sozialgeschichte
Der Friedhof Melaten bietet neben vielen denkmalgeschützten Grabmälern auch Lebensraum für eine reichhaltige Flora und Fauna. Zahlreiche Eichhörnchen und auch Füchse sowie mehr als 40 verschiedene Vogelarten sind hier heimisch. Der Melatenfriedhof ist somit auch ein lebendiger Ort und eine wunderschöne Grünanlage zum spazieren gehen. Sgar viele mediterrane Pflanzen sind hier meimisch geworden. Im Sommer spendet eine über 100 Jahre alte Thuja-Allee Schatten. Doch nicht nur für Naturfreunde birgt der Friedhof manche Überraschung: In dieser zweistündigen gemütlichen Führung über das Areal des Melatenfriedhofs erfahren Sie Wissenswertes über die Geschichte der Friedhofskultur und die Bedeutung christlicher Symbolik auf Grabsteinen. Überdies erzählen die Grabmäler 200 Jahre Kölner Sozialgeschichte.

Woher kommt der Name Melaten? Die Geschichte des Friedhofs
Der Begriff Melaten leitet sich aus dem Lateinischen "male habitus" ab, d.h. schlechter Gesundheitszustand. Schon am Ende des 12. Jahrhunderts wird eine Stätte für Kranke erwähnt, ein sog. Siechenhaus oder auf Kölsch "hoff to Malaten" bzw. "hoff to Malote". Eine Ableitung vom Französischen "malade" oder auch Kölsch "malad" ist nicht möglich, da Französisch im 12. Jahrhundert weder im Handel noch irgendwo sonst in Köln gesprochen wurde. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts gebrauchte man das kölsche Wort "malad". Auf Melaten wurden Menschen, die von der Lepra befallen waren oder andere Sterbenskranke versorgt. Das Leprosenhaus lag fernab von den Gesunden, außerhalb der mittelalterlichen Stadt. Das städtische Lepra-Asyl auf Melaten wurde erst Mitte des 18. Jahrhunderts geschlossen, obwohl die Krankheit längst ausgerottet wurde.

Das kaiserliche Dekret
In der Zeit der französischen Besetzung erließ Napoleon 1804 ein kaiserliches Dekret über Begräbnisse. Von da an durfte innerhalb des mittelalterlichen Stadtgebiets aus Gewässerschutzgründen nicht mehr begraben werden. Dies galt für alle Städte und Dörfer. Die Zuständigkeiten für Begräbnisse wurden der katholischen Kirche entzogen und auf die Stadt übertragen. Die Stadt kaufte Grundstücke rund um das ehemalige Leprosenhaus. Bereits 1810 wurde der Melatenfriedhof eröffnet. Er stand als säkularer Ort bald Konfessionen offen. Seit dem zweiten vatikanischen Konzil (1962-1965) dürfen sich auch Katholiken verbrennen lassen. Nach und nach wurden Urnengräber immer beliebter, somit gibt es heute mehr Platz auf allen Friedhöfen.

Denkmalschutz und Patenschaften für historische Gräber

Der gesamte Friedhof Melaten steht unter Denkmalschutz. Darüber hinaus gelten über 2000 Gräber als erhaltenswert und damit als besonders schützenswert. Schon zu Lebzeiten können Sie eine Patenschaft für ein erhaltenswertes Grab erwerben. Sie verpflichten sich zur Pflege und zum Erhalt bzw. Instandsetzung des Grabes in Absprache mit der Denkmalpflege. Die Pacht für 30 Jahre fällt erst nach dem Tod an. Diese Gebühr richtet sich nach den in Anspruch genommenen Liegeplätzen. Eine Verlängerung ist bei einem Patenschaftsgrab mehrmals möglich. Das System der Patenschaften wurde 1981 unter der Stadtkonservatorin Hiltrud Kier eingeführt. So konnte manche schöne Grabanlage erhalten bleiben, wie beispielsweise: Der Sensenmann bzw. Gevatter Tod: Eine überlebensgroße Skulptur desselben wurde vom Bildhauer August Schiemann für den Kaufmann Johann Müllemeister geschaffen. Heute hat die Steinmetzfamilie Steinnus die Patenschaft für dieses Denkmal übernommen. Der Sensenmann gilt als eine Art Wahrzeichen von Melaten.

Alte und neue Trauerhalle sowie Kapelle
Auf dem Gelände befindet sich eine schöne alte Trauerhalle aus dem 19. Jahrhundert, welche zu einem Kolumbarium umgebaut wird. Die frühgotische Kapelle Sankt Magdalena und Lazarus wurde nach dem zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut. Der Ursprung der Kapelle geht zurück auf das 12. Jahrhundert. Damals diente Sie als Hospitalskapelle für die Leprakranken. Auch die neue Trauerhalle am Haupteingang Piusstraße steht unter Denkmalschutz, es gibt über 60 Sitzplätze und ein paar Hundert Stehplätze.

Bestattungsgärten
Durch eine sich wandelnde Friedhofskultur gibt es seit der Zweiten Jahrtausendwende sog. Bestattungsgärten. Dies sind schöne Orte des Erinnerns, die von der Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner initiiert wurden. Um die Bestattungsgärten auf dem Melatenfriedhof kümmern sich ausschließlich Genossenschaftsmitglieder. Die Gesamtanlagen sind botanisch besonders schön und harmonisch. Diese Alternative gibt es auch auf anderen Kölner Friedhöfen. Im Umland existieren sie teilweise mit anderen Bezeichnungen (Martinigärten, Ruhegärten etc.).

Grabarten auf Kölner Friedhöfen und Bestattungsgebühren

Grundsätzlich besteht Anspruch auf einen Grabplatz am Wohnort, jedoch kann auch ein Grabnutzungsrecht an einem anderen Ort erworben werden. In Köln können sowohl der Friedhof als auch und das Grab frei ausgewählt werden. Eine Sargbestattung kostet ca. 2.800 €, darin enthalten ist das Grundnutzungsrecht für 25 Jahre und die Beisetzungsgebühren. Die Gestaltung (z.B. Grabstein) und gärtnerische Pflege kommen individuell hinzu, ebenfalls die Kosten für das Bestattungsunternehmen. Eine Urnenbestattung kostet ca. 2.700 €, enthalten ist die Kremierung, das Grundnutzungsrecht für 25 Jahre und die Beisetzungsgebühren. Die Baumbestattung ist auf dem Ostfriedhof und dem Nordfriedhof möglich und kostet ca. 1.600 € bei einer Nutzungsdauer von 20 Jahren. Eine kleine Gedenkplatte kann in Baumnähe angebracht werden. Der Ostfriedhof bietet zudem eine Naturwaldbestattung für ca. 800 € an. Anonyme Bestattungen gibt es auf dem Nordfriedhof und auf dem Friedhof Steinneuerhof (Rondorf). Die Urnen werden anonym unter einer Rasenfläche beigesetzt und in der Regel gibt es ein zentrales Denkmal. Die Kosten inklusive Kremierung: ca. 2.000 €, die Grabpflege entfällt bzw. wird von der Friedhofsverwaltung übernommen. Eine Seebestattung im Rhein oder im Fühlinger See ist nicht möglich, das geht aber in der Nord- und Ostsee. Eine stille Seebestattung kostet ca. 2.500 €, eine begleitende Seebestattung ca. 5.000 € (Reederei, Bestattungsunternehmen, Kremierung). Hier variieren die Kosten und die Verwaltungsvorschriften (Ausnahmegenehmigung vom Friedhofszwang) je nach Bundesland an der Küste.

Christliche Symbolik und Symbolik auf Grabsteinen:

Kreuz = Jesus starb am Kreuz, zentrales Element des Christentums

Engel = weibliche Himmelsbotinnen, himmlische Geistwesen, manchmal mit Kreuz

Genius = männlicher Schutzgeist

Putte = Engel in Kindergestalt

Betenden Hände = Frömmigkeit

Gebende Hände = Vertrauen und Verbundenheit

Rose = Liebe, Schönheit

Lilie = Reinheit und Unschuld

Ginkgoblatt = das Besondere, ewiges Leben (Der Gikgo ist eine Mischung zwischen Laub- und Nadelbaum)

Efeu = immergrünes Leben, Freundschaft, Treue

Ähre und Traube = Brot und Wein, Vergebung

Sonne = Hoffnung

Alpha und Omega = Anfang und Ende (Offenbarung des Johannes)

XP = Christusmonogramm, griechisch für Abkürzung CR (Christós)

Kreise, Labyrinthe = ewiger Kreislauf zwischen Geburt und Sterben

Kerze: Licht und Leben, aber auch Vergänglichkeit

ewiges Licht = Anwesenheit Gottes

Buch aufgeschlagen = Buch des Lebens (Offenbarung des Johannes), erfülltes Leben

Fisch = Symbol von Christen (urspr. gemalt), griechisch: "Ichthys", Jesus, Christus, THeos (Gott), Hyios (Sohn), Soter (Erlöser), auch Ableitung aus Altgriechischem mögl., ursprünglich wurde Symbol gemalt

Wasser = Reinigung von Sünden

Schiffe = Lebensweg und Überfahrt in die Ewigkeit

Anker = Hoffnung und Zuversicht

Pelikan = Aufopferung, Kreuzigung Christi und Eucharistie bzw. Abendmahl

Der älteste, heute noch erhaltene Friedhof ist der Geusenfriedhof in Lindenthal, welcher 1576 im Zuge der Gegenreformation angelegt wurde. Das Grundstück vor dem Weyertor lag außerhalb der Stadtmauer, so konnten hier nach Vorschrift evangelische Christen bestattet werden. Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden nannte man früher Geusen, abgeleitet aus dem Französischen "gueux" für Bettler.

Anfahrt:

Anfahrt ÖPNV: Straßenbahnlinien 1 oder 7 (Haltestelle: Universitätsstraße), etwas weiter entfernt mit Straßenbahnlinie 3 und 4 (Haltestelle: Piusstraße). Beachten Sie bitte außerdem, dass die Haltestelle "Universitätsstraße" näher am Treffpunkt unserer Tour liegt als die Haltestelle "Melaten". Bei unseren Öffentlichen Führungen sind die Tickets für den ÖPNV (VRS-Gebiet) bereits inklusive. Am Eingang Piusstraße befindet sich ein großer Parkplatz. Weitere PKW-Parkplätze liegen an der Straße. Eingabe im Navi: "Woensamstraße 9" oder "Piusstraße 127"

Öffnungszeiten Melatenfriedhof:

  1. April bis 2. November 7:00 Uhr bis 20:00 Uhr (Sommer)
  2. November 8:00 Uhr bis 17:00 Uhr (Winter)
Kurzinfo: Führung über den Melatenfriedhof – gemütlicher Spaziergang durch die Geschichte
Dauer: 2 Stunden
Start: Piusstraße, Trauerhalle
Ende: Piusstraße, Trauerhalle
Hinweis: keine Tiere
Anfrage Gruppen
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