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Woher kommen in Köln die Kinder? Wohin bringt der Storch die Kinder?

Chor von Sankt Kunibert

Der Storch brachte die Kinder zum "Kunibäätspötz", wo alle Kölner Kinder herkommen.

Unter dem Chorraum von Sankt Kunibert gibt es einen tiefen Brunnen, dieser galt als Kinderborn, d.h. nach alter Überlieferung führte das Trinken des Brunnenwasser zu Kindersegen.

Aus einem alten Kölner Lied:

"Us däm ahle Kunnibäätspötzje

kumme mer all ohne hemp un bötzje,

jo der Storch , dä hat uns heimjebraat

un bei der mamm en et bett jelaat".

Nach der Sage befinden sich die Kinder vor der Geburt im Brunnen und spielen mit der Mutter Gottes, die sie mit Brei füttert, bis die Mama zum Pütz kommt und sie abholt. Dabei konnte es passieren, dass sich die Mama Verletzungen aus dem Brunnenschacht zuzog und eine Woche mit dem Baby im Bett bleiben musste. Der Storch hatte die Kinder vorher dorthin gebracht.

Blieb eine Ehe zunächst kinderlos, riet man dem Paar, „goht doch ens nohm Kunibäätspötz“, trank die junge Frau ein paarmal Wasser aus dem Brunnen, wurde sie wie durch ein Wunder sofort schwanger. Sexualität und Aufklärung waren in der katholischen Kirche ein Tabuthema. So entstanden die Geschichten rund ums Kinderkriegen wie das Wunder vom Kunibäätspötz.

Leicht erklärlich ist das Wunder: Das Trinkwasser war in großen Städten wie Köln durch Abfälle und Exkremente stark verschmutzt. Hinzu kamen die zahlreichen innerstädtischen Kirchen mit ihren Kirchhöfen, d. h. Friedhöfen, die das Trinkwasser verseuchten. Der nach Osten gerichtete Chor von St. Kunibert liegt direkt am Rhein. Der ca. 15 m tiefe Brunnen darunter führte somit immer sauberes Wasser aus Uferfiltrat, das die Gesundheit unterstütze. Gesunde Frauen wurden ohne Verhütungsmittel auch im katholischen Köln schwanger, im Gegensatz zu den betenden Frauen, die häufig Wasser aus Brunnen tranken, die in der Nähe der zahlreichen Kirchhöfe lagen. Erst Napoleon bereitete dem ein Ende und verbot das Begraben innerhalb der mittelalterlichen Stadt aus Gewässerschutzgründen.

Bier war im Verhältnis zu Wasser im Mittelalter eine deutlich gesündere Alternative. Durch das Erhitzen beim Brauprozess wurden zahlreiche Krankheitserreger abgetötet. Erst im 19. Jahrhundert bemerkten Ärzte geringere Krankheitsraten in unmittelbarer Nähe von Brauereien.

Wasser aus dem Kunibäätspötz für die Mama und Bier für den Papa sorgten also für reichlich Nachwuchs im katholischen Köln.

Günther Klein Dipl.-Wirt.-Ing.