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Woher kommt der Ausdruck Blau machen in Köln?

blauer Färberwaid

Was bedeutet Blau machen in Bezug auf Köln?

Warum gehörte es im Mittelalter zum Beruf der Färber, während der Arbeitszeit gleich literweise Bier zu trinken? - Damals durften gewöhnliche Menschen nur Kleidung in Grau-, Blau- oder Brauntönen tragen. In die Gewinnung der blauen Farbe aus dem zweijährigen gelben Kreuzblütengewächs Färberwaid, auch Deutsches Indigo genannt, musste viel Urin investiert werden. Deshalb war das Handwerk der Färber sehr geruchsintensiv. Weil es gleichzeitig auch überaus zeitintensiv war, hatte das Sonntagsarbeitsverbot keine Gültigkeit für diesen Berufsstand. Da die Kultivierung von Färberwaid in Köln nicht erlaubt war, musste er importiert werden, zum Teil wuchs er in der Nähe von Jülich. Gesetzlich war der Handel mit der Pflanze auf den Waidmarkt beschränkt.

In Waidmühlen wurden die Pflanzenblätter zerquetscht und anschließend getrocknet. Danach wurden sie in großen Holzkübeln mit Wasser aus dem Duffesbach bzw. nach der mittelalterlichen Nutzung auch hier abschnittsweise Blaubach genannt, angereichert. Um eine Lake mit dem richtigen pH-Wert zu erhalten, die zur Gärung der Blätter führte, musste der Mischung reichlich Urin zugeführt werden. Aus diesem Grund tranken die Färber so viel Bier wie Urin benötigt wurde. Da der zu färbende Stoff in dieser Pflanzen-Urin-Lake mehrere Stunden liegen bleiben musste, und die Färber wegen ihres großen Biergenusses nicht in der Lage waren zu arbeiten, wurde an diesem Tag „blau gemacht“. Anschließend wurden die Stoffe, die Bastfasern aus Leinen bzw. Flachs waren, draußen aufgehängt, da das Färberwaid nur an der Luft oxidieren und somit seine blaue bis blaugrüne Farbe erlangen konnte.

Im 17. Jahrhundert war damit aber Schluss. Aus ökonomischen Gründen wurde der Färberwaid durch das echte Indigo aus Indien ersetzt, das dreißig mal mehr Farbe liefern konnte. Heutzutage werden Farben größtenteils synthetisch gewonnen. Das synthetische Blau trägt den Namen Anilin. In Frankreich, im Departement Yonne, entsteht eine mittelalterliche Burg "Guédelon" ganz nach alter Manier, hier wird auch die Wolle noch mittelalterlich mit Waid gefärbt.

Günther Klein Dipl.-Wirt.-Ing.

Bei unserer Waidmarkt-Führung bringen wir Ihnen dieses Thema näher.